„Unterkunft, Pflege und Vermittlung von Hunden und Katzen sind oft schon eine große Herausforderung für die Tierheime. Kleintiere stellen, besonders wenn sie älter oder krank sind, noch einmal ganz eigene Ansprüche und erfordern viel Zeit und Erfahrung.“ Ina Rühl-Charles weiß, wovon sie spricht. Sie war mit Monika Roth bis Herbst 2025 Vorsitzende des Tierschutzvereins Pfungstadt und Umgebung, der das Tierheim in Pfungstadt betreibt. Ende letzten Jahres haben die beiden Frauen in Babenhausen zur Gründung eines neuen Vereins aufgerufen.
Vierzig Menschen kamen zur Gründungsversammlung, um die „Kleintierhilfe Babenhausen“ aus der Taufe zu heben. Die Eintragung des Vereins beim Amtsgericht soll in Bälde abgeschlossen sein. Ein wesentliches Ziel der Kleintierhilfe sei die Entlastung der Tierheime. Dies will der Verein auf zwei Arten erreichen: durch Aufklärung und durch die Einrichtung von Pflegestellen.
„Ein großes Problem sehen wir darin, dass Kleintiere mitunter spontan und im Vorbeigehen gekauft werden. Privatleute verkaufen sie im Internet und auch Baumärkte mit Zooabteilung bieten die Tiere an und das Zubehör gleich mit“, schildert Monika Roth. Doch oft seien die Käfige zu klein, das Fertigfutter ungeeignet. Auch seien Familien mit kleinen Kindern oft überrascht, wenn sie bemerkten, dass Meerschweinchen, Hamster und Co. keine Kuscheltiere sind. Die Beziehung zu jenen Tieren, die von Natur aus eher flüchten und sich verstecken und sich nicht dressieren lassen, könne nie so innig werden wie zu Hunden oder Katzen.
„Dadurch stellt sich bald Ernüchterung ein. Auch mit der artgerechten Fütterung und der Stallhygiene sind gerade Kinder schnell überfordert“, sagt Ina Rühl-Charles, die mit ihren Mitstreiterinnen der Kleintierhilfe in Babenhausen eine Beratungsstelle aufbauen will. „Wir möchten ansprechbar sein für Menschen, die über die Anschaffung eines Kleintiers nachdenken. Artgerechte Haltung, Futter, das Erkennen von Krankheitssymp- tomen und Tierarztkosten – über all das wollen wir aufklären.“ Denn nur wer gut informiert sei, könne auch eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen. Auch die Entscheidung, auf ein Haustier im Zweifel lieber zu verzichten.
Mit der Beratung sollen Spontankäufe und die spätere Abgabe der zu teuer und zu aufwendig gewordenen Kleintiere im Tierheim verhindert werden. Auch will der Verein Kleintierhalter unterstützen, die beispielsweise mit hohen Tierarztrechnungen überfordert sind. Perspektivisch will die Kleintierhilfe Babenhausen auch Pflegestellen einrichten, die Abgabetiere aufnehmen. Mitgliedsbeiträge, Spenden und vor allem Patenschaften sollen die Pflegestellen finanzieren.
„Wir planen außerdem regelmäßige Treffen oder Stammtische für Menschen, die sich generell für den Tierschutz einsetzen möchten und suchen dafür noch einen geeigneten Raum“, sagt Rühl-Charles. Ideen für Tierschutzmaßnahmen auf lokaler Ebene sollen in die kommunalpolitischen Gremien eingebracht werden. Es sei wichtig, auch in der Politik das Bewusstsein für die Mitgeschöpfe wachzuhalten. „Die Ehrenamtlichen können noch so engagiert sein. Sie brauchen für ihre Arbeit auch gute Rahmenbedingungen.“ mel
Rubrik: Babenhausen und Umgebung
05.02.2026

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