Wulf Heintzenberg – Abschied von der Kommunalpolitik

Der Kopfsprung ist noch so sportlich-elegant wie vor Jahrzehnten. Und auch die Bahnen, die Wulf Heintzenberg danach am Tag der offiziellen Schwimmbaderöffnung in Babenhausen schwimmt, sind eine Tradition. Ansonsten hat sich aber viel verändert im Leben des 79-Jährigen.

Aus der Kommunalpolitik hat er sich zurückgezogen – nach 46 Jahren, in denen er verschiedene Ämter bekleidet hatte. Auch sein Vereinsengagement hat sich verändert. Während es in einem Bereich beendet werden musste, wurde es in einem anderen verstärkt. Aber von vorn: 1971 kam Wulf Heintzenberg nach Babenhausen, als junger Lehrer für Mathematik und Sport, gerade mit dem Studium fertig. Nach einigen Jahren an einer Schule in Seligenstadt wechselte er beruflich nach Babenhausen in seinen neuen Wohn- und Heimatort. Vielseitig interessiert fand Heintzenberg auch in der örtlichen Vereinslandschaft bald ein Zuhause.
Schon in den frühen 1970er Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für Modelleisenbahnen. Bis vor wenigen Jahren war dieses Hobby ein wenig in den Hintergrund gerückt, flammte aber nun wieder auf. Grund dafür seien die Babenhäuser Eisenbahnfreunde, denen er sich angeschlossen habe, erzählt Wulf Heintzenberg, der gern mit Gleichgesinnten in die faszinierende Miniaturwelt der Modelleisenbahnen und in die Historie der Bahn selbst eintaucht.
Zwischenzeitlich schlug das Herz von Wulf Heintzenberg jedoch für ein anderes Fortbewegungsmittel und für ein anderes Element: Das Fliegen und die Luft. 1996 begann er mit dem Fliegen, erwarb mehrere Lizenzen, stieg mit Motorseglern und Ultraleichtflugzeugen in den Himmel, um Babenhausen, die nähere und weitere Umgebung von oben zu sehen. Als Vorsitzender des Luftsportclubs (LSC) kooperierten er und der Verein unter anderem mit der städtischen Kinder- und Jugendförderung. Die Schnupperangebote des LSC für Kinder und Jugendliche fanden bei den städtischen Ferienspielen stets großen Anklang und an so manchen Flug, den er mit Jugendlichen machte, ist ihm noch heute gut in Erinnerung.
„Es war immer toll zu sehen, wie beeindruckt die Jungs und Mädchen waren, wenn wir über ihren Wohnort geflogen sind und sie ihr Elternhaus von oben sehen konnten“, erzählt Heintzenberg. Im Zuge der Kasernenkonversion und der Ausweisung des ehemaligen Truppenübungsgeländes als Naturschutzgebiet musste der Luftsportclub sein Vereinsgelände aufgeben. „Das wurde durch die Nachnutzung des Kasernengeländes unvermeidlich“, sagt der einst leidenschaftliche Flieger.
Die Art, wie das große Areal mit historisch bedeutenden und denkmalgeschützten Gebäuden umgenutzt werden sollte, habe er stets mit Skepsis betrachtet. Jedoch aus einem anderen Grund. „Ich war der Meinung, dass das Wohngebiet zu groß dimensioniert ist und die städtische Infrastruktur nicht mithalten kann, wenn so viele Menschen in kurzer Zeit nach Babenhausen ziehen.“ Kindergärten, Schulen Gesundheitsversorgung und natürlich der zunehmende Straßenverkehr – für all das seien die Strategien nicht ausgereift gewesen. Das habe er auch in seiner Zeit in der Kommunalpolitik kommuniziert.
Ob als einfacher Stadtverordneter, als Vorsitzender des Gremiums oder Magistratsmitglied, Wulf Heintzenberg engagierte sich auf vielfältige Weise in der städtischen Politik. Bis zum Ende seiner kommunalpolitischen Laufbahn im März dieses Jahres erlebte er in der Stadt sechs Bürgermeister. Mehrmals musste er den Rathauschef in außergewöhnlichen Angelegenheiten vertreten, bei denen schnelles und besonnenes Handeln notwendig war. Der Fund einer Bombe am Kasernengelände und das schwere Hochwasser im Januar 2003 sind ihm da besonders in Erinnerung.
In den vergangenen 46 Jahren habe es viele große Projekte in Babenhausen gegeben, die die Stadt nachhaltig prägten. Dazu gehörte auch der Neubau des Feuerwehrstützpunkts Ende der 1980er Jahre und die Konversion des alten Feuerwehrgeländes in der Innenstadt. Auch die Kontroversen zum Schwimmbadumbau und dem Küstenmotorschiff Jenny zählen dazu. Der kräftezehrenden Politik setzte Wulf Heintzenberg ehrenamtliches Engagement entgegen, das einen stärkeren Freizeitcharakter hatte. Zuletzt schloss er sich der Klangwerkstatt des Blasorchesters an und lernte als über 70-Jähriger noch ein Instrument.
Zu einer weiteren Legislatur in der Stadtpolitik habe er sich nicht überreden lassen wollen. „Man merkt am besten selbst, wenn es Zeit ist, aufzuhören. Man sollte nicht warten, bis einem andere Menschen den Rückzug nahelegen.“            mel

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