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Weltladen:

Faire Woche startet in Babenhausen mit „Frühstück uff de Gass”

Bei sonnigem Wetter genossen viele Gäste das fair gehandelte und schmackhafte Frühstück inmitten der Bummelgasse.

Die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland startete in Babenhausen mit einem „Frühstück uff de Gass“. Die emsigen Mitarbeiter des Weltlädchens in der Schloßgasse hatten Tische und Bänke in der Bummelgasse vor ihren Laden gestellt und boten ein leckeres Frühstück an mit fair gehandeltem Kaffee, der Kenner schwärmen ließ.

Auch verschiedene Brotaufstriche stammten aus dem Sortiment und ließen keine Wünsche offen. Neben Brötchen konnte man selbstgebackenen Dattelkuchen probieren, zu dem es auch gleich ein Rezept zum Nachbacken gab. Gegen Mittag wurde noch eine herbstliche Linsensuppe mit Kokosmilch kredenzt, die ebenfalls sehr schmackhaft war. Petrus verhielt sich ebenfalls fair und trug mit zwar kühlem, aber trockenem Sonnenwetter ganz wesentlich zum Gelingen der beliebten Veranstaltung bei.
Die Faire Woche ist eine Aktionswoche des Forums Fairer Handel in Kooperation mit TransFair und dem Weltladendachverband, dem auch der „Verein zur Förderung der Einen Welt e.V.“ angehört, wie sich der Babenhäuser Weltladen offiziell nennt. Gerechtigkeit im Handel, sowohl auf internationaler, nationaler, aber auch regionaler Ebene gehört zu seinen höchsten Zielen. In der Zeit vom 15. bis 29. September finden bundesweit Tausende von Aktionen statt, die auf den fairen Handel aufmerksam machen sollen. Verbraucher werden so für entwicklungpolitische Themen und bewussten Einkauf sensibilisiert.
In Babenhausen hat diese Veranstaltung noch einen weiteren Gesichtspunkt: ist sie doch der Auftakt zu den Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums der Ladeneröffnung vor 25 Jahren. Damals ging der Verein aus dem Arbeitskreis „Brot für die Welt“ hervor und startete 1992 in gemeinsamen Räumen mit Frank Diehl. Bereits 1998 wurde es dort zu eng und man zog in die ehemalige Bäckerei Spiehl in der Fußgängerzone. Seit 2010 firmiert der Weltladen in den jetzigen Verkaufsräumen, wo man genügend Platz vorfindet, um sowohl Lebensmittel als auch Dekorations- und Gebrauchsgegenstände fair zu handeln. Viele der 25 Mitarbeiter und insgesamt rund 40 Fördermitglieder sind von Anfang an dabei und denken gar nicht daran aufzuhören. Neben den Diensten im Laden gehören auch regelmäßige Fortbildungen und vierteljährlich regionale Treffen zu den Anforderungen an die Mitarbeiter. Schulungen werden dem Bildungsauftrag gemäß durchgeführt und die Teilnehmer lernen zum Beispiel, wie fairer Handel entstand und wie man Kunden diesbezüglich optimal berät.
Renate Mertens vom Vorstand des Vereins gerät in Fahrt, wenn sie von Quinoa erzählt, von seinen Ursprüngen und wie er fast vom Speiseplan der Bauern im südamerikanischen Hochland verschwand. Die gestiegene Nachfrage des glutenfreien Getreides sorgte dafür, dass das traditionelle Lebensmittel wieder etabliert wurde und die Bauern in dieser kargen Landschaft wieder eine Lebensgrundlage haben. Ernährungsphysiologisch interessiert arbeitete die Sechzigjährige mehrere Jahre als Ernährungsberaterin. Im Weltladen ist sie von Anfang an dabei. In all den Jahren hat sich das Sortiment des Ladens natürlich auch geändert. Während in den 90ern Umweltschutzpapier in Form von Briefbögen und Geschenkpapier der Renner war, finde man das kaum mehr in den Läden. Neue Fruchtriegel mit Cashew-Kernen und verschiedenen Früchten seien momentan der Renner.
Etliche Mitglieder nahmen 1996 und 2000 an einer mehrwöchigen Bolivienreise teil, bei der sie eines der Projekte besuchten, für das die erwirtschafteten Überschüsse gespendet werden. Der ehrenamtlich geführte Laden erwirtschaftet neben der Miete und sämtlichen rechtlichen Abgaben Gewinne, die an diverse Projekte gehen, die vom Verein gemeinschaftlich ausgesucht werden. Man überzeugte sich damals in Bolivien vor Ort von der guten Organisation. Damals wurde eine Sozialstatistik erstellt, um Bedarfe zu erfahren. Anhand des Ergebnisses wurden im Anschluss Kinder geimpft, Gesundheitshelfer geschult und Sozialarbeiter ausgebildet. Es entstand sogar eine kleine Krankenstation im Armenviertel von La Pas. Ein Teil des Geldes geht auch in Gebiete, die aktuell von Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Den Mitarbeitern sei wichtig, dass das Geld direkt ankomme und ein Bezug zum Projekt bestehe, wie Marga Jonas erklärt. Sie wirbt auch für weitere Mitarbeiter, um die Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Leider gebe es wenig junge Frauen im Team, da diese heutzutage meist arbeiten gehen und in Babenhausen könne man auch nicht auf viele Studenten zurückgreifen, wie das zum Beispiel in der Universitätsstadt Darmstadt der Fall sei. Der Weltladen ist sogar ein zertifiziertes Fachgeschäft, da er regelmäßig an Evaluationen teilnimmt. Die täglichen Öffnungszeiten tragen dazu bei, dass sich ein Kundenstamm gebildet hat, auf den der Laden zählen kann. Neben fachkundiger Beratung werden auch Rezepte ausgetauscht, zu denen man einen Großteil der Zutaten gleich im Laden erhält.
Die nächste Aktion des Weltladenteams wird die „Nacht der Lichter“ am 2. November sein, an dem man von 18 – 22 Uhr weitere Informationen zum fairen Handel erhalten kann. Am Samstag den 18. November findet in der Stadthalle dann schließlich eine Feier zum 25jährigen Jubiläum des Vereins statt. Neben einem Vortrag über „gesund und fair Würzen“ von Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner wird es ein „faires“ Buffet geben und für die musikalische Unterhaltung sorgt die Live-Band „Aroha“ aus Münster. Das Weltladenteam freut sich schon auf möglichst viele Besucher.    kb

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