Seit mehreren Jahren gibt es zudem ein Quartiersmanagement und damit eine Anlaufstelle für die rund 2.600 Bewohner des Erlochs. Trotz aller Bemühungen sind die spezifischen Probleme des Quartiers noch immer vorhanden und oftmals auch sichtbar. Auch die knapp 70 Teilnehmer des Stadtteilrundgangs, zu dem das Forum Gemeinwesenarbeit „Kirche findet Sta(d)tt“ eingeladen hatte, kamen auf ihrem Weg an einigen wilden Müllplätzen vorbei, an einem Bolzplatz, der manches Defizit aufweist und an mindestens einer Stelle, um die die jüngeren Erloch-Bewohner lieber einen Bogen machen, wie Umut, Mohammad und Dewran erzählten.
Vor dem Kiosk werde in den Abendstunden oft gekifft, die Jugendlichen, die sich hier im Sommer ein kühles Getränk holen wollen, würden verjagt. Generationenübergreifend wünschten sich viele der Teilnehmer mehr Sicherheit in ihrem Viertel. Und mehr Sauberkeit. Anna Coskun und Monika Scaringella, die seit Langem im Erloch wohnen, betonten, dass sie gern im Viertel lebten.
„Die Nachbarschaft ist toll, unsere Kinder und Enkelkinder leben hier. Wir haben eine gute Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig hilft“, erzählte Scaringella.
Doch wie überall gebe es auch hier einige Schwarze Schafe, die den „Wilden Müll“ zu einem Dauerproblem machten. „Es gibt immer wieder Stellen, an denen Hausmüll, Elektroschrott und Sperrmüll abgestellt werden. Die Haufen ziehen noch mehr Müll an und niemand fühlt sich zuständig.“ Entsprechend blieben die Müllhaufen lange liegen und wachsen von Tag zu Tag zu Müllbergen. „Wo Müll herumliegt, wird noch mehr Abfall dazugestellt“, so die Beobachtung der beiden Frauen. Die Entsorgung sei nicht nur wegen der Zuständigkeiten und der langen Dauer ein Problem. „Die zusätzlichen Abholungen werden auf unsere Nebenkosten umgelegt. Wir bezahlen daher die Entsorgung von wildem Müll mit, den ein paar wenige Leute illegal ablagern.“
Die beiden Erloch-Bewohnerinnen schlugen Schulungen zur korrekten Müllentsorgung vor. Dieses Angebot hat es jedoch bereits gegeben und ob die „Schwarzen Schafe“ daran teilnehmen, ist nicht allzu wahrscheinlich. Recht kompliziert ist auch die Situation auf und um den Bolzplatz, der von den Jugendlichen gern genutzt wird. Das Gelände ist allerdings in Privatbesitz. Zudem gibt es hier den Wasserschutz zu beachten. Alle Wünsche, die die Jugendlichen äußerten, wie eine Spielplatzbeleuchtung oder gar einen Tartanbelag, sind nicht einfach umsetzbar. Warum allerdings die Schaukel teilweise demontiert und mit einem Zaun abgesichert wurde – darauf gab es beim Rundgang keine Antworten.
Beim anschließenden Gespräch mit den Kandidaten zur Kommunalwahl von SPD, Grünen und CDU wurde nochmals deutlich, dass nicht alle Ideen und Wünsche umgesetzt werden können. Mitunter liege dies schlicht daran, dass die Stadt hier nicht die zuständige Ebene ist. Mehr Kontrollen, Rechtsberatung für Mieter, zentrale Müllsammelplätze und mehr Regelmäßigkeit beim Spielplatzprojekt waren Überlegungen, die in der Diskussionsrunde genannt wurden.
Die tiefe Verbundenheit mancher Menschen mit ihrem Wohnviertel spiegelte sich in der Aussage eines Hochhausbewohners, der mit seiner Familie aus dem einsturzgefährdeten Gebäude ausziehen und übergangsweise in den Kaisergärten untergebracht werden musste. „Wir wollen bald wieder zurück. Hier gibt es einen Spielplatz und eine gute Nachbarschaft“, lobte er. mel
Rubrik: Babenhausen und Umgebung
07.03.2026



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