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Babenhausen blüht auf:

Landwirte fördern Biodiversität durch gezielte Maßnahmen

Landwirte sind mehr als die meisten anderen Berufsgruppen auf eine vielfältige Biodiversität angewiesen und fördern diese durch gezielte Maßnahmen. Dabei müssen sie aber auch den Schutz ihrer Kulturpflanzen beachten, um eine gute Qualität der landwirtschaftlichen Produkte sicherzustellen. Die Babenhäuser Landwirte legen aus diesen Gründen bereits seit mehreren Jahren auf den Flächen ihrer Betriebe Blühstreifen für mehr Biodiversität an.

Artenvielfalt ist für die Landwirtschaft ein hohes Gut. Aus diesem Grund haben die Babenhäuser Landwirte im Frühjahr 2019 wieder freiwillig Bienenblühstreifen sowie ganze Blühflächen angelegt.
Von diesen ein- und mehrjährigen Blühflächen profitieren besonders Bienen, Schmetterlinge und Marienkäfer. Zusätzlich nutzen Hasen, Rebhühner und Vögel diese Flächen als Rückzugsort und Futtergrundlage im Winter. Durch breit aufgestellte Mischungen mit vielfältigen Pflanzen schaffen die Landwirte eine dauerhaft blühende Fläche während der gesamten Vegetationsperiode. Das hierfür verwendete Saatgut setzt sich unter anderem aus lila blühender Phacelia, Sonnenblumen und verschiedenen Kleearten zusammen.
Vor allem Bienen und Marienkäfer spielen eine große Rolle für die Landwirte: Bienen bestäuben ihre Rapsfelder und Marienkäfer ernähren sich von Blatt- läusen. So wird gleichzeitig auch die Gesundheit der Kulturpflanzen geschützt, da Blattläuse Krankheiten übertragen können.
Blühstreifen dienen den Landwirten besonders in Reihenkulturen wie Mais und Zuckerrüben als Schutz vor Bodenabtrag und als Bodenbedeckung, um Unkräuter zu unterdrücken und den Boden vor Austrocknung zu schützen. Sie werden in der Regel dort angelegt, wo die eigentliche Hauptkultur (z.B. Mais oder auch Getreide) nicht bunt blüht, sowie entlang von Wegrändern und Bachläufen.
„Auch die Bewässerungsspuren in den Maisäckern bepflanzen wir mit Saatgutmischungen, welche die Biodiversität fördern, um den freien Raum sinnvoll zu nutzen.“ erläutert Junglandwirtin Kyra Geißler (Babenhausen). Sie besucht derzeit die Friedrich-Aereboe-Schule in Griesheim und strebt dort den Abschluss als Agrarbetriebswirtin an.
Neben dem gezielten Anlegen von Blühstreifen und Blühflächen kümmern sich die Landwirte um Pflege und Erhalt der Weg- und Ackerränder. Diese Streifen stellen einen wichtigen Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt dar. Sie blühen jedoch nicht ganzjährig, da sie zum Schutz der Ackerflächen sowie zur Nutzbarkeit der Feldwege regelmäßig gemulcht oder gemäht werden müssen. Dies dient einerseits dem Schutz der Kulturpflanzen vor Verunkrautung und Krankheiten wie z.B. Mutterkorn. Mutterkorn ist eine bedeutende Pilzerkrankung im Getreide, der man ausschließlich mit einer rechtzeitigen Pflege der Feldränder vorbeugen kann. „Roggen ist hierfür eine besonders anfällige Kulturpflanze. Wir bauen Roggen auf vielen Flächen an, da er auf unseren sandigen Böden am besten zurechtkommt“, erklärt Kyra Geißler weiter. Andererseits profitieren von der Pflege auch die Spaziergänger, da Wegekreuzungen besser einsehbar sind und sie landwirtschaftlichen Maschinen besser ausweichen können.
Die Babenhäuser Landwirte sprechen sich ab. Somit gelingt es durch zeitlich versetztes Arbeiten, den in den Weg- und Feldrändern vorkommenden Tierarten genug Zeit zu geben, ihren Lebensraum zu wechseln. Zusätzlich versorgt das anfallende Schnittgut, welches an Ort und Stelle verbleibt, Bodenorganismen wie z.B. Regenwürmer mit Nahrung. Grundsätzlich erfolgen die Pflegearbeiten in Absprache mit der jeweiligen Kommune, die Eigentümerin der Feldwege und damit auch der Wegränder ist. Darüber hinaus gibt es in vielen Kommunen spezielle Feldwegesatzungen, in denen u.a. diese Pflegearbeiten geregelt sind.
Aktuell haben die Babenhäuser Landwirte die Getreideernte beendet und beginnen mit den Vorbereitungen für die Aussaat von Zwischenfrüchten, diese schaffen nicht nur Begrünung über den Winter, sie speichern auch wichtige Nährstoffe. So können die Landwirte im Frühjahr Düngemittel sparen. Ab März werden die Flächen mit Mais, Zuckerrüben und Hafer bepflanzt.
Um den Mitbürgern das Thema Biodiversität näherzubringen, wollen Kyra Geißler und ihre Mitschüler der Friedrich-Aereboe-Schule in Griesheim in Zusammenarbeit mit dem VLF Aereboenia-Starkenburg e.V. und dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Infoschilder an Feldern und Wegrändern in mehreren Gemeinden Hessens aufstellen. Diese Schilder sollen nützliche Informationen und Erklärungen zu Arbeiten in der Landwirtschaft sowie zur Arten- vielfalt in der Kulturlandschaft geben.

Info: Mutterkorn
- halbmondförmiges, schwarzes Korngebilde, das nach einer Pilzinfektion des Getreides in der Ähre wächst
- entsteht durch Fehlbestäubung über Gräserpollen
- Der Verzehr von Mutterkorn kann zu gefährlichen Vergiftungen und im schlimmsten Fall zum Tode führen
- Früher wurde Mutterkorn zur Durchführung illegaler Abtreibungen genutzt
- Heute gibt es durch engagierte Landwirte und gute Kontrolltechnik keine Vergiftungsprobleme mehr

 

(Schüler der Friedrich-Aereboe-Schule in Griesheim und Familie Ralf Geißler Babenhausen)

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