Gründungsversammlung einer Bürgerenergie-Ortsgruppe in Babenhausen: „Was bedeutet der Begriff Energiewende eigentlich?“

Die Bürgerenergie im Landkreis Aschaffenburg (BLA) hat eine neue Ortsgruppe. Am vergangenen Donnerstag gründete sich offiziell die siebte Ortsgruppe der Energiegenossenschaft für den Landkreis Aschaffenburg. Das Besondere: Ortsgruppe Nummer sieben befindet sich nicht im Kreis Aschaffenburg in Bayern sondern im hessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. In Babenhausen nämlich konnte die Bürgerenergie-Genossenschaft ihr neues Mitglied willkommen heißen.

Die offizielle Unterzeichnung der Dokumente in der Stadtmühle war eingebettet in einen Informationsabend, zu dem rund 100 Interessierte gekommen waren. Michael Kontzi, einer der sieben Mitunterzeichner, moderierte den Abend und blickte zunächst auf die Vorarbeiten, die vor der Gründung der Ortsgruppe geleistet werden mussten. „Warum überhaupt eine Ortsgruppe innerhalb einer bestehenden Genossenschaft?“ stellte Michael Kontzi eine Frage, die wahrscheinlich einige der Gäste im Sinn hatte. Die Antwort ist einfach: die Bürgerenergie-Genossenschaft im Nachbarlandkreis hat bereits Erfahrung, viele engagierte Mitglieder, einige Projekte realisiert und ein Netzwerk aufgebaut, das die Babenhäuser nun mit neuen Mitgliedern, Ideen und Einsatzbereitschaft erweitern. Daher wendete sich die Initiative aus Babenhausen an die Bürgerenergie im Kreis Aschaffenburg mit der Frage, ob auch sie als Ortsgruppe aufgenommen werden könne. Die Genossen der Bürgerenergie beschlossen daraufhin am 29. Juni, auch Ortsgruppen außerhalb des eigenen Landkreises zuzulassen und machten den Weg frei für eine Aufnahme. Ulf Nürnberger, der in Babenhausen lebt und dem Vorstand der unterfränkischen Energiegenossenschaft angehört, informierte über die Ziele der Bürgerenergie, die realisierten und geplanten Projekte und über die Notwendigkeit einer Energiewende.  „Was bedeutet der Begriff Energiewende eigentlich?“ fragte Nürnberger und ließ die Antwort gleich folgen. Grundsätzlich gehe es dabei um die Abkehr von fossilen Energieträgern, also Öl, Kohle und Gas. Das betrifft vor allem die Mobilität und das Heizen. „Inzwischen müssen wir uns nicht mehr nur die Frage stellen, wie wir unsere Häuser im Winter heizen sondern auch wie wir sie im Sommer kühlen. Die Energieerzeugung und der Energieverbrauch wirken zusammen und müssen zusammen betrachtet werden“, sagte Ulf Nürnberger. Das bedeutet: der Umstieg auf erneuerbare Energien allein reicht nicht aus. Auch der sparsame Umgang mit Energie spielt eine wichtige Rolle bei der Energiewende. Wer also ein Elektroauto hat und es mit Strom von der eigenen Solaranlage  auf dem Dach tanken kann, kann Erzeugung und Verbrauch sinnvoll kombinieren. Kommen ein Stromspeicher hinzu und als i-Tüpfelchen eine App, die die Kapazitäten und Verbräuche ermittelt, lassen sich die einzelnen Elemente optimal aufeinander abstimmen. Hans-Joachim Greifenstein, Kabarettist und Pfarrer im Ruhestand, macht es genauso. Greifenstein ist Schirmherr der Babenhäuser Ortsgruppe und berichtete am Gründungsabend von seinem persönlichen Weg, der ihn von den fossilen weg und zu den erneuerbaren Energien hinführte. Die Initialzündung sei von Sabine Walz gekommen, die ebenfalls zu den Mitunterzeichnern und Mitgründerinnen der Ortsgruppe gehört. „Sabine hatte mich überzeugt, eine Balkonsolaranlage zu installieren. Das war der Anfang meiner Karriere als Energiewender“, sagte Hans-Joachim Greifenstein. Inzwischen habe er die Umstellung in vielen Bereichen vollzogen.     Weiter auf Seite 8 Fortsetzung von Seite 1: Und heute könne er sagen: „Ich bin ein Energiewendebürger, der Spaß hat und Geld spart.“ Solaranlagen auf oder am Haus, E-Autos und Wärmepumpen kann sich aber nicht jeder leisten. Menschen, die zur Miete wohnen, nicht einmal einen Balkon haben, können nicht frei entscheiden, womit sie heizen oder kühlen und sind selten in der Lage, ihren eigenen Strom zu produzieren. Die Bürgerenergie Babenhausen hat jene Menschen besonders im Blick. Die Ortgruppe möchte Mieterstrommodelle und das „Energy Sharing“ fördern. Beim Energy Sharing nutzen Privatpersonen selbst produzierten Strom gemeinsam. Meist wird dieser über eine spezielle Plattform angeboten. Produzent und Abnehmer müssen dabei nicht im gleichen Haus wohnen. Produziert beispielsweise eine Dachsolaranlage mehr Strom, als im Haus verbraucht wird, kann der überzählige Strom direkt vermarktet werden. Auch die Stadt ist gefragt. Städtische Gebäude und Parkplätze haben noch einiges Potenzial. Bislang sind große Parkflächen, die mit Solaranlagen überdacht sind, eine absolute Ausnahme. Der Parkplatz am Schwanengraben eigne sich nicht, da der Denkmalschutz hier ein Veto einlegen könne, sagte Bürgermeister Dominik Stadler aus Nachfrage. Der Einfluss der Denkmalbehörden ist allerdings schon unter der Vorgängerregierung stark eingeschränkt worden. Der Klimaschutz gilt inzwischen als überragendes öffentliches Interesse, weshalb die Chancen oft gut stehen, auch in einem denkmalgeschützten Ensemble Solaranlagen errichten zu können. Ein Versuch, mit Behörden und auch mit Unternehmen, wie den großen Supermärkten mit großen Parkflächen, ins Gespräch zu gehen, lohnt allemal.     mel 

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