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Landkreis Darmstadt-Dieburg:

2. Woche der Kunststoffstraße „Die Welt ist nicht genug“ im Territorialmuseum

Ilse Voigt ließ es sich nicht nehmen, einmal in die Granulatbehälter zu greifen und die Körner durch ihre Finger rieseln zu lassen. Eine haptische Erfahrung, die man genießen kann.

Was hat dieser berühmte Titel eines James Bond-Films mit der neuesten Ausstellung im Territorialmuseum zu tun? Der BMW Z8, mit dem James Bond durch den Filmstreifen flitzte, war mit einem Kombi-System ausgestattet, das im Hauptsitz der Continental Automotive Babenhausen hergestellt wurde.

Georg Wittenberger, erster Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins eröffnete vergangenen Freitag stolz die einwöchige Veranstaltungsreihe der Kunststoffstraße im Landkreis Darmstadt-Dieburg und zugleich die neueste Ausstellung im Territorialmuseum. Er begrüßte Bürgermeister Achim Knoke, Dieter Aumann, der mit seiner Stiftung den Grundstein zum Territorialmuseum legte. Zudem begrüßte Wittenberger Friedel Sahm, der nicht nur Stadtverordnetenvorsteher und somit erster Bürger der Stadt Babenhausen ist, sondern von 1964 bis 2006 in der Personalabteilung der „Continental“ arbeitete, die damals noch den Namen „VDO Tachometer Adolf Schindling GmbH“ trug. Als Vertreter der „Continental“ war der Werksleiter Horst Breitwieser erschienen und die Referentin für Wirtschafts- und Regionalentwicklung Marcella Lüdicke vertrat den Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Lüdicke sprach ein paar einführende Worte zur Entstehung der Kunststoffstraße im Landkreis, die weltweit einzigartig sei und derzeit Stationen in zehn Kommunen habe: Babenhausen, Fischbachtal, Groß-Bieberau, Groß-Umstadt, Münster, Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Reinheim, Seeheim-Jugenheim und Weiterstadt. Hier zeigen Museen Ausstellungen rund um Kunststoffe und ihre Geschichte, und kunststoffverarbeitende oder herstellende Unternehmen öffnen ihre Türen im Rahmen von Betriebsbesichtigungen. Das Konzept hierzu wurde im Jahr 2012 von Landrat Klaus Peter Schellhaas erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wurde entwickelt unter Beteiligung von Wissenschaft, Wirtschaft und Akteuren der Regional- und Heimatgeschichte. Die 2. Woche der Kunststoffstraße zeige nicht nur die Ästhetik von Alltagsgegenständen, sondern richte den Blick vor allem auf geniale Erfindungen von Medizintechnik, über Fahrzeug- bis hin zu Luftfahrttechnik. Auch im Sport komme man ohne kunststoffbasierte Funktionsbekleidung kaum mehr aus. In vielen Betriebsbesichtigungen, Präsentationen, Ausstellungen und Vorträgen könne man sich in der Aktionswoche vom 20. bis einschließlich 28. Oktober von „Kunststoff bewegen“ lassen, wie Lüdicke empfahl.
Im Territorialmuseum präsentiert, passend zum diesjährigen Titel „Kunststoff bewegt“, Babenhausens größter Arbeitgeber „Continental“ auf großen Schautafeln seine Unternehmensgeschichte. Horst Breitwieser, der Werksleiter, umriss die Firmengeschichte des größten Arbeitgebers der Stadt Babenhausen, die 1961 mit gerade mal 13 Angestellten auf dem 400.000 qm großen Areal am Stadtrand zwischen den Straßen nach Seligenstadt und Frankfurt begann. Auf den Schautafeln findet man Informationen zum heutigen Standort Babenhausen, der mittlerweile rund 3200 interne plus 1000 externe Mitarbeiter beschäftigt. Mit weiteren gut 300 Besuchern pro Tag bewegen sich täglich etwa 4500 Menschen auf dem Betriebsgelände. 100 Millionen Teile pro Jahr verlassen das Werkstor und gehen zu Automobilfirmen weltweit. Auch über den Spritzguss-Prozess, In-Mold-Labeling, die Lackierarbeiten, In-Mold-Decoration, Head-Up-Displays und das allgemeine Firmenportfolio der „Continental“ können sich die Museumsbesucher in den kommenden Monaten an den Schautafeln informieren. Zudem veranschaulichen etliche Vitrinen das weitgefächerte Sortiment der ortsansässigen, jedoch weltweit an 20 Standorten fungierenden Firma. Weitere Standorte sind zum Beispiel in Mexiko, China, Spanien, Korea, Tschechien, Rumänien, Russland, Brasilien und sogar Australien beheimatet.
Als „systemrelevantestes Teil“ und „Aushängeschild“, das derzeit exklusiv nur am Hauptsitz Babenhausen hergestellt werde, bezeichnete Breitwieser stolz die Zeigerantriebssysteme. Diese werde es trotz fortschreitender Digitalisierung noch sehr lange geben, wie Werksleiter Horst Breitwieser in seinem Vortrag ausführte. Aus Gründen der Ästhetik, Retro-Besinnung und auch als Low-Cost-Variante werden sich diese analogen Systeme weiterhin auf dem Markt behaupten und nicht etwa von digitalen Anzeigen verdrängen lassen. Das Werk selbst sei jedoch in einem Umschwung zur digitalen Zukunft: „Wir entwickeln Zukunft und Technik von morgen“.
Wer Interesse hat, noch mehr über die Firma Continental zu erfahren, konnte sich entweder im Zuge der Kunststoffwoche der Sonderführung am Mittwoch, 24. Oktober anschließen, oder kann nach vorheriger Anmeldung an Führungen teilnehmen, die regelmäßig im Babenhäuser Werk angeboten werden.
Während der Großteil der Ausstellung im Kleinen Saal des Museums zu finden ist, hat es eine Vitrine in die Dauerausstellung im Dachgeschoss geschafft, in der man unter anderem eine Tachokonsole bewundern kann, die im Jahr 1935 im Auto „Adler“ verbaut wurde. Technik der Vorkriegszeit, die damals ihrer Zeit weit voraus war. In der Dauerausstellung unterm Dach erfährt man außerdem Wissenswertes über die Cellba-Puppenherstellung in Babenhausen, die später von der Firma Mattel aufgekauft wurde und somit die weltweit beliebten Barbiepuppen in Babenhausen produziert wurden.
Die mit rund 40 Personen sehr gut besuchte Vernissage war ein gelungener Auftakt zur Veranstaltungsreihe der Kunststoffwoche. Bei einem Gläschen Kupferberg Sekt hatten die Besucher im Anschluss an den Vortrag noch Gelegenheit zu interessanten Gesprächen. Erstmalig präsentiert wurde auch ein sehr informativer Bildband über die „Kunststoffstraße“, der über „200 Jahre Kunststoffe im Landkreis Darmstadt-Dieburg“ informiert. Der Herausgeber Gerd Ohlhauser vom Preface Book Verlag, Darmstadt und der Fotograf Christoph Rau begleiteten auch den diesjährigen Auftakt und standen für Fragen gerne zur Verfügung.

Die Ausstellung, in der vom Granulat bis zur montierten Baugruppe der Produktionsprozess nachvollzogen wird, kann zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums noch bis zum 3. Februar 2019 besucht werden: samstags von 15 Uhr - 17 Uhr, sonntags und donnerstags von 14 Uhr - 17 Uhr.      kb

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