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Turnverein Babenhausen:

Beim TVB ist das Kindeswohl im Fokus

Andrea Zemke, Sportmanagerin beim Turnverein Babenhausen, und Christian Bausch von der Sportjugend Hessen informierten Übungsleiter und Erzieher zum Thema Kindeswohl.

Der Turnverein Babenhausen (TVB) ist mit 129 Jahren einer der ältesten und mit knapp 1.800 Mitgliedern der größte Verein in der Gersprenzstadt. Vom Baby bis zum Hochbetagten finden alle Generationen ein spezielles Sportangebot.

Die große Bandbreite an sportlichen Aktivitäten, die hohe Mitgliederzahl sowie der Anspruch, den die Mitglieder an ihren Verein und den Vorstand und Übungsleiter an sich selbst haben, erfordert immer wieder den Blick über den Tellerrand. Mit dem Programm „Sport stärkt Demokratie“ setzt sich der TVB für mehr Teilhabe und Mitbestimmung der Vereinsmitglieder ein, viele Kurse sind mit dem Siegel „Sport pro Gesundheit“ zertifiziert. Nun hat sich der Turnverein ein weiteres Ziel gesetzt.
„Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, für Kinder und Jugendliche einen Schutzraum zu schaffen. Dazu bauen wir mit Kitas und Schulen ein Netzwerk auf“, erklärt Andrea Zemke, Sportmanagerin beim TV Babenhausen. Um das Kindeswohl zu achten und zu gewährleisten, müsse es für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, Handlungssicherheit geben. Das gelte besonders für den sportlichen Alltag in Vereinen, aber auch in Kitas und Schulen. Das Basisseminar, zu dem der TVB nun eingeladen hatte, widmete sich daher den sensiblen Situationen, in denen es zu Berührungen der Kinder kommt.
„Berührungen sind ein Teil der sozialen Interaktion. Es darf nicht sein, dass sich Menschen gar nicht mehr berühren, aus Angst davor, etwas falsch zu machen“, sagte Christian Bausch, Referent der Sportjugend Hessen, der mit Andrea Zemke das Seminar hielt. Was ist richtig und notwendig, und wann kann eine Berührung als übergriffig empfunden werden? Diese Frage beschäftigte viele der zehn Seminarteilnehmer. Daniel Brosch, Übungsleiter für den Selbstverteidigungssport Ju-Jutsu, trainiert Kinder und Erwachsene.
„In dieser Sportart geht es nicht ohne sich anzufassen. Mitunter wendet man Techniken und Griffe an, die beim Ju-Jutsu ganz selbstverständlich sind, aber mittlerweile mache ich mir schon Gedanken, was noch erlaubt ist“, schilderte Brosch seinen Trainer-Alltag. Berührungen müssten erklärbar und ihre Notwendigkeit nachvollziehbar sein, sagte Christian Bausch. Im sportlichen Kontext könne auch ein beherztes Zugreifen in Ordnung sein. „Wenn ein Kind bei einer Übung auf dem Trampolin droht, zu stürzen und sich schwer zu verletzen, dann muss der Trainer zupacken. In einem anderen Kontext wäre dieselbe Art von Berührung nicht akzeptabel.“
Während manche Situationen immer wieder neu entschieden werden müssten, seien andere grundsätzlicher Natur. „Wir brauchen eine respektvolle Kultur in Vereinen und in allen Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche betreut werden“, sagte Andrea Zemke. Kinder sollten mündig werden und selbst entscheiden dürfen, was für sie okay ist. Denn in der Beziehung Trainer-Schüler gebe es zwangsläufig ein Machtgefälle, das nicht ausgenutzt werden dürfe. Dazu zähle bereits, wenn Übungsleiter die Ablehnung eines Schülers ignorierten, beispielsweise, wenn ein Kind nicht berührt werden wolle oder sich vor einer Übung fürchte.
Zudem sollten Verantwortliche in Vereinen und anderen Institutionen ein Gespür dafür entwickeln, wenn Kinder sich plötzlich in Persönlichkeit oder Aussehen veränderten, aggressiv oder still würden, Leistung und Konzentration nachließen. Dann sollten die Erwachsenen Ansprechpartner sein und eine schützende Umgebung bieten. Nicht zuletzt müssten aber auch Trainer und Übungsleiter vor falschen Verdächtigungen geschützt werden.
Info: Das Kindeswohl umfasst die grundlegenden Bedürfnisse und Rechte von Kindern und deren Schutz. Das Kindeswohl gilt als gefährdet, wenn diese Bedürfnisse und Rechte langfristig nicht mehr gesichert sind, wenn körperliche oder emotionale Vernachlässigung oder Misshandlung vorliegen.
Laut einer aktuellen Einschätzung der deutschen Jugendämter von 2017 gab es 21.700 Fälle akuter und 24.050 Fälle latenter Kindeswohlgefährdung. Die Dunkelziffer dürfte etwa 15 Prozent über den offiziellen Zahlen liegen, sagt Sportmanagerin Andrea Zemke.       mel

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