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Christliche Gemeinden:

Was ist denn Fair? – Frauen aller Konfessionen feierten Gottesdienst

Bei fair gehandeltem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen konnte man letzten Freitag viel über die Basisbewegung christlicher Frauen, den Weltgebetstag, erfahren.

Der erste Freitag im März ist seit vielen Jahren ein fester Termin im christlichen Kalender: zum Weltgebetstag laden Frauen in über 170 Ländern ein. Jedes Jahr steht ein anderes Land, ein anderes gesellschaftliches Thema und eine andere Bibelstelle im Mittelpunkt. Für 2017 waren die Philippinen im Fokus und als Gottesdienst-Thema wurde „Gerechtigkeit“ ökumenisch umgesetzt.

Der Nachmittag begann mit einer großen Kaffeetafel, zu der die „Frauenhilfe“ in den Gemeindesaal im Erasmus-Alberus-Haus einlud. Der Andrang war groß und so wurden spontan noch weitere Tische und Stühle dazugestellt. Neben Kaffee und leckerem Kuchen gab es auch die Gelegenheit, an einem kleinen Stand des Weltladens philippinische Spezialitäten zu erstehen. So gab es unter anderem Rohrzucker, Schokoriegel und diverse Mango-Produkte, die auch dauerhaft im Sortiment des Weltladens Babenhausen sind. Nicht fehlen durfte natürlich der allgegenwärtige Reis, wurden doch die berühmten, über 2000 Jahre alten Reisterrassen von Banaue im Norden zum Weltkulturerbe der Unesco ernannt. Der Reisanbau wird auf den Philippinen als Partnerschaft zwischen Göttern und Menschen gesehen und ein Tag ohne Reis sei unvorstellbar, wie Hanne Marschall vom Weltladen betonte.
Nachdem man sich ausgiebig unterhalten konnte, wechselte man gegen 17 Uhr hinüber in die evangelische Kirche, wo ein Team von engagierten Frauen einen außergewöhnlichen Gottesdienst vorbereitet hatte. Seit rund 40 Jahren schon wird der Weltgebetstag in Babenhausen ökumenisch gefeiert: immer im Wechsel zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Seit einigen Jahren beteiligen sich zusätzlich die beiden freichristlichen Kirchen Gospelgemeinde und Emmaus-Gemeinde an den Vorbereitungen und am Gottesdienst. „Luther wäre begeistert“ und würde tatsächlich vom „Priestertum aller Gläubigen“ schwärmen, wie Pfarrerin Andrea Rudersdorf freudig von den kreativen Arbeitstreffen der Frauen im Vorfeld erzählt. Bereits seit Januar liefen die Vorbereitungen und nach ersten Ideen nahmen einige sogar am überregionalen Dekanatstreffen teil, wo man sich noch einmal austauschen und inspirieren lassen konnte. So gebe es zwar eine vorgeschlagene Lithurgie für jeden Weltgebetstag, die in den Grundelementen von Frauen aus dem jeweiligen Fokus-Land erarbeitet wird, jeder Gemeinde stehe es aber zu, diese zu personalisieren und leicht verändert mit eigenen Ideen zu füllen.
Zu Beginn stellt Ruderdorf die brennende Gebetskerze, die an diesem Tag auf der ganzen Welt erleuchtet, in die Mitte des mit philippinischen Elementen geschmückten Gottesraums. Nach dem einladenden Lied „Come to the Circle“ (vorgetragen von Daniela Jocham am Klavier, Sandy Georgi-Lehman an der Geige, Amanda Haag an der Flöte und Hector Molina an der Gitarre) wurden die Philippinen mit all ihren Besonderheiten vorgestellt. So erfuhren die Gottesdienstbesucher Wissenswertes über die Tierwelt, die Landschaften und die Lebensart. Die Gegensätze dieses Landes, das aus mehr als 7000 Inseln besteht und neben urtümlicher Schönheit auch zerstörerische Naturgewalten wie Vulkane und Taifune zu bieten hat. Die natürliche Vielfalt werde gefährdet durch die globale Erwärmung und Raubbau. 80 verschiedene Sprachen und Dialekte zeugten von der Urvölkervielfalt des Landes. Seitdem die Spanier die Inseln im 19. Jahrhundert eroberten und das Feudalsystem einführten, wuchs die soziale Ungerechtigkeit und bittere Armut paare sich mit Rechtlosigkeit. Die spanischen Mönche brachten auch das Christentum auf die Inseln und so sind heutzutage rund 80 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch. Eine Minderheit von etwa 5 Prozent Muslimen bewohne vor allem den Süden auf Mindanao. Glaube und Spiritualität prägen die philippinische Kultur, finden sich in vielen Alltagssituationen und werden mit viel Leidenschaft gelebt. Während die philippinische Mittelschicht nur in den Städten wächst, leben mehr als die Hälfte in bitterer Armut. Täglich verlassen mehr als 4000 Menschen das Land um in den USA, Saudi-Arabien und Europa ihr Glück zu suchen.
Um die Situation im Land leichter verständlich darzustellen, sprach Hanne Marschall als „Reporterin“ mit drei philippinischen Frauen und zeigte anhand deren Schicksale, wie ungerecht und schwer die Arbeits- und Lebensbedingungen, vor allem für Frauen, seien. Gemeinsam wurden Lieder gesungen über das schwere Leben auf den Philippinen und den tief verwurzelten Glauben an Gott und die Erlösung. Die Gegensätze des Landes werden auch im Titelbild des Weltgebetstages deutlich, das Armut und Fülle zeigt, Natur und Großstadt, blinde Gesichter und Sehende. Das Bild wurde von der philippinischen Künstlerin Rowena Laxamana-Sta.Rosa gemalt, die viele Aspekte der Liturgie in ihr Werk einfließen ließ. Der Weltgebetstag soll Anlass geben, genauer hinzusehen und die Not wahrzunehmen, damit man aufgerüttelt wird und hilft. Die große weltweite Basisbewegung christlicher Frauen hat die Vision einer Welt, in der alle Frauen selbstbestimmt leben können. Die Kollekte geht deshalb auch an Frauen vor Ort und finanziert Projekte, die Frauen im ländlichen Bereich unterstützen beim Anbau und Verkauf ökologisch produzierter Produkte und damit ihr Selbstbewusstsein und ihre Position in der Familie stärken. Mit einem stabileren Einkommen kann der Teufelskreis aus Armut, Rechtlosigkeit und Gewalt durchbrochen werden.
Ein Gottesdienst, der informierte, bewegte und sicher so manchen Besucher aufrüttelte zu nachhaltigerem Konsum. Mit der gefälligen Melodie von „Come to the Circle“ verabschiedete man sich in den Abend.     kb

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