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Ernte unter erschwerten (Corona)Bedingungen:

„Der Spargel wartet nicht, bis wir hier oben so weit sind“

Auf den Feldern der Landwirtsfamilie Funk in Langstadt üben sich viele Neulinge im Spargelstechen.

Im Hofladen der Landwirtsfamilie Funk in Langstadt gibt es allerlei Gemüse, Salate sowie einige Produkte aus den Feldfrüchten vom Vorjahr. Dazu eine kleine Auswahl an Fleisch- und Wurstprodukten. Die meisten Körbe sind jedoch mit der Königin der Gemüsesorten gefüllt.

Spargel gibt es im Hofladen in allen Variationen. Von der höchsten Handelsklasse, die klassisch zubereitet mit Sauce Hollandaise und Kartoffeln auf den festlich gedeckten Tisch kommt, bis zum Bruch, der in Suppen oder Salaten schmeckt. Schon am frühen Morgen kommen die Kunden in den Hofladen, um ihn mit dem leckeren Königsgemüse wieder zu verlassen.
Dabei ist es in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit, dass die Körbe mit Spargel gut gefüllt sind. Denn die Corona-Krise hat das Leben in fast allen Bereichen völlig verändert. In Deutschland und weltweit. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben viele Staaten ihre Grenzen geschlossen, den Tourismus stark eingeschränkt und Saisonarbeiter können nicht mehr einfach in ein anderes Land reisen.
Noch vor drei Wochen war der Reiseverkehr komplett gestoppt. Die Landwirte, die auf die Saisonarbeitskräfte angewiesen sind, standen vor einem großen Problem, denn deutschlandweit fehlten etwa 300.000 Erntehelfer. Inzwischen durften einige Arbeiter aus Polen und Rumänien einreisen. Doch nach wie vor fehlen mehr als 200.000 Arbeitskräfte auf den Feldern. Auch bei Landwirt Funk ist das so.
„Wir sind froh, dass wenigstens ein paar unserer erfahrenen Mitarbeiter aus Polen kommen konnten. Aber sie stellen in diesem Jahr nur ein Drittel des Personals, das wir auf den Feldern brauchen“, erläutert Junior-Chef Stephan Funk. Während auf der einen Seite die Kunden den Spargel sehnlichst erwarten und das warme, sonnige Wetter den Spargel schnell wachsen lässt, gibt es auf der anderen Seite kaum Mitarbeiter, die die Stangen aus dem sandigen Boden holen können.
Denn das Spargelstechen will gelernt sein. Und viele wollen es lernen. Über die Initiative „Das Land hilft“ haben sich viele Menschen registriert, die wegen der Schließung von Gastronomie-Betrieben, Einzelhandelsgeschäften oder dem Produktionsrückgang in vielen Unternehmen ihre Jobs verloren haben oder in Kurzarbeit sind. Auch einige Studenten haben sich dort eingetragen, da auch alle Bildungseinrichtungen – darunter Universitäten – geschlossen sind.
Die Bewerber kämen aus allen denkbaren Bereichen und aus einem großen Umkreis. „Wir haben versucht, alle Anfragen zu beantworten. Dann haben wir erst einmal diejenigen eingeladen, die keine allzu weite Anreise haben und keine Unterkunft bei uns brauchen.“
„Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist groß. An erster Stelle möchten die Menschen, die ihre Jobs verloren haben oder von Kürzungen betroffen sind, Geld verdienen. Aber sie möchten auch den regionalen Landwirten helfen, die Ernte sicherzustellen“, lobt Stephan Funk das Engagement seiner neuen Mitarbeiter. Allerdings sei die Situation nach wie vor angespannt. „Wir müssen in sehr kurzer Zeit möglichst viele neue Kräfte anlernen. Denn der Spargel wartet nicht unter der Erde, bis wir hier oben so weit sind.“
Wichtig sei, dass sich die Bewerber über die körperlichen Anforderungen klar sind. „Es ist schon eine anspruchsvolle Arbeit, die man am Abend spürt. Wer einmal zur Probe gearbeitet hat, entscheidet sich später für die Früh- oder Spätschicht. Mehr ist für einen Ungeübten nicht drin“, sagt der Landwirt. In nur zwei Wochen hat er 25 Bewerber zur Probearbeit auf dem Feld gehabt, ihnen erklärt, wie die Spargel gestochen werden. Hinzu kommen die Arbeiten wie das Säubern und Sortieren der Stangen.
Manche Bewerber sagten schon während der Probe ab, andere sind bereits mit den polnischen Erntehelfern auf dem Feld und machen ihre Sache gut. Noch immer kommen einige Menschen zur Probearbeit. „Bis zu zehn Kilogramm Spargel kann man in der Stunde stechen. Von einem neuen Mitarbeiter erwarten wir fünf bis sechs Kilogramm, da die Arbeit sonst nicht wirtschaftlich ist“, sagt Funk. Aus vielen Reihen schauen die Spargelköpfe bereits heraus, denn die langsamere Arbeit und der späte Erntebeginn hatten eine Verzögerung zur Folge.
„Man muss erst einen Blick dafür bekommen, wo eine Spargelstange aus dem Boden will. Idealerweise gräbt man sie dann aus, bevor sie die Erde durchstößt.“ Denn sobald die Spargelspitze ans Licht kommt, wird sie violett und öffnet sich etwas. Dann gehört sie nicht mehr zur höchsten Handelsklasse.
Trotz der Schwierigkeiten, vor denen der Spargelbauer in diesem Jahr steht, müssen die Abnehmer bedient werden. „Wir haben feste Lieferbeziehungen mit Wiederverkäufern und Großhändlern und betreiben selbst einige Verkaufshütten“, erklärt der Landwirt. Der Engpass beim Personal und der außergewöhnlich große Aufwand hätten nun dazu geführt, dass die Preise für den Spargel gestiegen seien. Immerhin kann man sich nun doch auf das Königsgemüse freuen.       mel

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