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Evangelische Kirche Sickenhofen:

Nostalgiebonbons und Hoppeldantz

Rund 80 Besucher genossen in der Sickenhöfer Kirche das Orgelkonzert mit Video-Übertragung aus dem Orgelraum.

Um das verstohlene Auspacken und Lutschen der heimlich mitgebrachten Bonbons bei seinem Orgelkonzert zu verhindern, hatte sich Carsten Lenz mit seiner Frau Iris etwas ganz Besonderes ausgedacht: vor Beginn ihres humorvoll moderierten Konzertes ließen sie ein Körbchen mit Bonbontütchen durch die Reihen geben. Daraus durfte sich jeder Besucher bedienen und sollte doch bitte die jeweils rechtzeitig angekündigten Bonbons wählen: „Lutschen mit System zur Tanzmusik mit Pfeifenorgel“ nannte Lenz diese Methode.

So wurde eingangs für das aus dem 18. Jahrhundert stammende erheiternde Tanzstück aus Italien auch ein Zitrusbonbon gewählt, dessen Lutschdauer auch noch in das zweite Stück reichte. Aus „Orgeltabulator 1577“ von Bernhard Schmid spielte Lenz gleich drei Stücke: ein guter „Hoppeldantz“, „Ein schöner Englischer Dantz“ und „Ein guter Hofdantz“ waren allesamt spritzig genug, um zum Zitrusbonbon zu passen.
Zwischen der Musik, bei der die zahlreichen Zuhörer den Organisten per Video-Übertragung auf einer riesigen Leinwand beobachten konnten, erzählte der Musiker viel Wissenswertes über die Geschichte der Orgelmusik. So erfuhr man, dass der erste Spielort für Orgelmusik wohl ein antiker Frisiersalon gewesen sei und Orgeln früher hauptsächlich in Schlössern für die Tanzmusik bei Festen bereitstanden. Anhand von Bildern lernte das Publikum etliche verschiedene Orgeln aus unterschiedlichen Epochen und Gegenden kennen. Iris und Carsten Lenz haben in den vergangenen 15 Jahren Konzerte in vielen Ländern Europas, in Russland und in den USA gespielt. Weiterhin haben sie über 25 verschiedene CDs mit Orgel und Chormusik (davon 6 vierhändig) sowie 3 Video-DVDs eingespielt. Auch bei mehreren TV- und Radio-Produktionen haben sie als Organisten mitgewirkt.
Ins 18. Jahrhundert verführte „Die auf dem Clavier spielende und das Gehör vergnügende Caecilia“ und bei den drei Toggenburger Hausorgeltänzen der Schweizer Komponistin Elsbeth Forrer war natürlich das Milchbonbon aus dem Naschtütchen dran. Das reichte gerade mal so durch Napoleons-Marsch in D-Dur, den Walzer und die Polka in C-Dur. Es folgte eine recht beschwingte Runde mit Musik des erst 1939 geborenen Hannes Mayer: aus der „Schanfigger Bauernhochzeit“ hörte das Publikum den „Hochzeitsmarsch“, „Beim Pipa“ (ein Walzer mit Jodel, der von Iris Lenz auf einer besonderen Pfeife gespielt wurde) und die schottische Weise „Ustrinket in Kulm“.
Die folgende zeitgenössische Musik vom 1933 geborenen Komponisten Norbert Linke durfte von den Nostalgie-Bonbons namens „Rocks“ begleitet werden, passend zu den rockigen Rhythmen. Aus dem „Swing- und Jazz-Orgelbüchlein“ von Johannes Matthias Michel kamen jazzige Klänge, die die Zuhörer mitswingen ließen. Auch Thomas Rieglers Variationen über das Kirchenlied „Meinem Gott gehört die Welt“ boten von Polka über Boogie, Walzer, Choral bis hin zur knackigen Samba viel Fuß-Wipp-Potential. Bei „A zünftige Musi“ zauberte Lenz aus einem Kirchenlied bayrische Oktoberfeststimmung. Zum Abschluss seines erfrischenden Konzert-Programms gab Lenz eine Referenz an die goldenen 20er Jahre des letzten Jahrhunderts mit einer Stummfilmbegleitung, die damals auf den beliebten Wurlitzer Orgeln gespielt wurde. Hier kamen dann auch die Goldnüsse zu ihrem Lutscheinsatz, die unter der goldfarbenen Bonbonkruste sehr schnell den schokoladigen Kern preisgaben. Da die rund 80 Besucher aber noch nicht genug hatten, spielte Lenz als Zugabe ein erheiterndes italienisches Orgelstück, das seine Frau Iris mit Schellenklang begleitete. Pfarrerin Elke Becker bedankte sich bei den Musikern für das „Vergnügen für das Gehör und herrlich anzusehende Konzert, das auch geschmacklich äußerst erquickend war.“ In Sickenhofen spielte das Duo zum zweiten Male, aber auch in Hergershausen waren die international beliebten und studierten Kirchenmusiker bereits zweimal in der Kirche zu Gast. Auf dem Weg nach Hause sprachen die Zuhörer noch gerne über die vielen neuen Einblicke in die Funktionsweise und Technik des Orgelspiels, die sie Dank der Video-Übertragung bestaunen durften. „Wann sonst bekommt man eine Orgelspielanlage aus der Nähe zu sehen?“, wie ein Gast treffend bemerkte. Die Virtuosität und Präzision des Orgelspiels beeindruckten alle Besucher und nicht wenige kauften sich am Ausgang mit ein paar Nostalgie-Bonbons und der dazu passenden CD die Zutaten für einen weiteren Konzert-Abend zuhause.      kb

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