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Horst Käse:

Von „Die Mutter aller Bomben" bis „Babybel“

Kunst- und Kulturtage in Babenhausen

Momentan zieren monumentale Berglandschaften die Wohnung des Künstlers.

Am 8. und 9. November 2014 lädt die Stadt Babenhausen erneut zu den „Kunst- und Kulturtagen" ein. Die Babenhäuser Zeitung stellt die teilnehmenden Künstler vor. Heute: Horst Käse.

Passend zu dem Thema Ausdruck war Horst Käse bereits zur Fußball-WM tätig: Auf humorvolle Art und Weise skizzierte der Künstler die verschiedenen Gesichtsausdrücke und Gefühlsregungen der Fußballer. Dabei schlagen sich die Fußball-Profis gegenseitig vor, wie jeweils die Frisur des anderen verbessert werden könnte. Die kleinen Werke präsentiert der Künstler gesammelt in dem selbstgebundenen Band „Besonderheiten am Rande der Fußball WM 2014“ und vollendet damit das zehnte seiner sinnigen Bücher, in denen humorvolle Texte mit Zeichnungen und Gemälden verbunden werden. Einige dieser Schmuckstücke werden auf den diesjährigen Kunst- und Kulturtagen zu sehen sein, ebenso wie die beliebten Tierbilder des Künstlers. „Material habe ich genug, ich muss nur noch eine Auswahl treffen. Aber ich möchte auch einige neue Werke präsentieren“, bekannte Käse. Zeitgleich mit den Kunst- und Kulturtagen findet auch eine Ausstellung in Steinbach innerhalb der Werkstattkreise statt, die eine Woche dauern wird und den Titel „Menschen in der Natur“ trägt. Im Juli nächsten Jahres schließlich folgt eine Ausstellung in der ehemaligen Heimatgemeinde des Künstlers, Kelkheim. Dort hatte Horst Käse zehn Jahre lang ehrenamtlich die die Kunstgalerie in der Kapelle betreut, in der er nun seine eigenen Werke zusammen mit einer ortsansässigen Künstlerin präsentierten wird.
Aber auch innerhalb von Babenhausen folgen noch einige Aktionen, die Käse tatkräftig unterstützen wird. Innerhalb des „Tag des offenen Denkmals“ werden die Babenhäuser Künstler einige Werke auf Staffeleien ausstellen und im Oktober folgt die Bebilderung der Schaufenster der Babenhäuser Innenstadt mit dem Hinweis auf die Kunst- und Kulturtage, wo Käse das Schaufenster des Tattooladens in der Bummelgass‘ bestücken wird.
Neben kleineren Aktionen beschäftigte sich Käse größtenteils mit einer Reihe von Ölgemälden und Zeichnungen von Babenhausen und den verschiedenen Stadtteilen. Derzeit regieren Berglandschaften die Wohnung des Künstlers. Neben saftigen Almwiesen durchziehen Nebel und tiefe Schluchten die Leinwände, wobei die Berge durch die Arbeit mit dem Spachtel Dreidimensionalität erhalten. Erstaunlich ist hierbei, dass die meisten Landschaften rein aus der Fantasie des Künstlers stammen und keine Vorlagen benötigen. „Ich überlege zusammen mit einem Gastronomen Themen-Abende zu veranstalten, an denen das Auge mit der Kunst, das Ohr mit Musik und der Gaumen mit Kulinarischem verwöhnt wird.“
Gelernt hat Käse die Malerei wie ein Handwerk bei dem Künstler Murre mit 14 Jahren. Nach dessen Tod erhielt Käse durch dessen Sohn ein ganz besonderes Stück: Einen Schrank aus der Jahrhundertwende, auf dem die berühmte Künstlerin Louise Lebrun sowie Rembrandt portraitiert waren. „Die beiden Portraits befanden sich auf der Vorderseite sowie auf der linken Seite des Schrankes, da ich ihn aber aus Platzgründen mit der linken Seite an die Wand stellte, war nun eine leere Stelle zu sehen.“ Doch das nicht lange – eifrig machte sich Käse ans Werk und portraitierte im gleichen Stil wie die schon vorhandenen Gemälde sein Idol Caspar David Friedrich.
Da Murre die Kunst eher als Handwerk ausführte und auf Landschaftsbilder spezialisiert war, strebte Käse mit 19 Jahren Malstunden bei dem berühmten Maler Janosch Kisgiorgi an, der auch figürliches Malen meisterhaft beherrschte. Allerdings erwies sich der namhafte Künstler als zu teuer und Käse brachte sich das figürliche Malen selbst bei. Der Kontakt zu Kisgiorgi hingegen blieb bestehen und der namhafte Künstler besuchte viele der Ausstellungen von Hortst Käse. „Kisgiorgi ist beachtliche 103 Jahre alt geworden und hat bis zu seinem letzten Tag gemalt – dieser Mann hat mich tief beeindruckt“, offenbarte Käse. Doch auch umgekehrt bestand großer Respekt und Käse erhielt nach dem Tod Kisgiorgis nach dessen Wunsch eine große Anzahl an Pinseln und anderem Künstlerbedarf von dessen Frau ausgehändigt.
Das figürliche Malen blieb ein Thema für Käse und auch heute braucht der Künstler Vorlagen, um die Proportionen von Menschen richtig auf die Leinwand zu bannen. Nichtsdestotrotz schreckt der Maler nicht vor dieser Herausforderung zurück und baut eine Vielzahl an Figuren in seine Gemälde ein wie auf dem Werk „Zeit, Mensch und Geschichte“. Dieses symbolisch aufgeladene Bild beschreibt den Lauf der Zeit anhand jüngster, politischer Ereignisse. Während den Fokus des Werks ein Boot bildet, in dem sich Goethe und sein Gretchen, Dr. Faustus sowie Politiker befinden , sind im Hintergrund die Antike, Stonehenge, Golgatha sowie Ereignisse der Neuzeit dargestellt. Wichtige Meilensteine bilden Da Vinci, die Mondlandung, Karl Marx, Luther, Guttenberg und Siemens. Doch nicht nur der Fortschritt, sondern auch große Kriege sind durch die Repräsentanten Kaiser Wilhelm, Napoleon und Hitler repräsentiert. Der Bezug zum Zeitgeschehen wird durch die Figur des Bill Clinton aufgenommen, der die Fahne Amerikas schwingt, sowie dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Affäre Monika. Auch ein Selbstportrait enthält das Werk in Form eines Mephisto. Kritik an der Politik und dem Krieg übt Käse auch in dem Werk „Die Mutter aller Bomben“, wo der Künstler dem Entsetzen über die Verwendung des Begriffes „Mutter“ für die Kriegsmaschinerie Ausdruck verlieh.
Neben derartigen gesellschaftskritischen Themen zitiert Käse auch bekannte Werke und Künstler wie „Leda und der Schwan“ oder „Hommage an Salvador Dali“ und bringt diese in einen neuen Kontext.  Hier wird aus Otto Scholderers „Der Geiger am Fenster“, dessen Original im Frankfurter Städel zu sehen ist, mit dem Gesicht Andre Rieus ausgestettet oder aber ein Spitzweg mit Aldi-Tüte. Witz und Humor dürfen auch bei der Selbstdarstellung nicht fehlen laut Käse: Bei einer Reihe von Selbstportraits verwendet der Künstler in Bezug zu seinem Nachnamen die Titel „Babybel“, „Gouda jung“, „Mittelalter gereifter Gouda“ oder aber „60 Jahre alter Gouda“. Auch das Werk „Alles Käse oder was?“ zeigt der Künstler gern. Mit einem Zwinkern nimmt der Künstler sowohl sich selbst als auch sein Umfeld oder die Themen der Medien auf die Schippe. Aber auch als Illustrator für die die Kinderbücher „Epus das Seepferdchen“ und „Henriette die Feldmaus“ der Autorin Fiona-Luisa Labbé hat Käse Zeichnungen eingebracht.
Doch nicht nur in der Malerei ist Käse geschickt, sondern auch als Hobby-Schreiner. Den Eingangsbereich der Künstlerwohnung zieren eine Truhe, ein Schirmständer sowie ein großer Spiegel, die Käse selbst gestaltet und mit „Bauernmalerei“ verziert hat, womit feine Blumenranken umschrieben sind.   fhp

 

 

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